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Therese Vallent (1863-?)

  • Mondblume Eroses. Bleistift auf Papier, 87 x 60 cm, 1899

Alle Bilder: © Elmar R. Gruber

VallportIm Jahr 1899 machte die Hausfrau Therese Vallent als mediumistische Künstlerin von sich reden. In kürzester Zeit wurde sie in ganz Europa als „Mondmalerin“ bekannt.

Die Österreicherin Vallent war die Frau eines französischen Musikers vom Königlich Ungarischen Opernorchester in Budapest. Auf Drängen ihres Mannes beschäftigte sich im Alter von 36 Jahren mit spiritistischen Sitzungen. Sie hoffte, Botschaften aus dem Jenseits zu empfangen und sie automatisch niederzuschreiben. Anstatt eines Textes begann ihre Hand gestisch eine Vielzahl von Linien und Schnörkel eng nebeneinander zu setzten und zeichnete dann eine Rankenarabeske und daraus ein pflanzenartiges Gebilde. So entstanden auf großen Papierbögen absonderliche „Blumen vom Mond“, die mit merkwürdigen Namen versehen wurden. Als Urheber gab sich ein „Geistführer“ namens Ralf zu erkennen. Später kamen groteske Tiere dazu, die als Mondbewohner bezeichnet wurden.

Therese Vallent zeichnete in einer eigentümlichen Manier mit stumpf zugeschnittenen Bleistiften. Sie hielt den Stift senkrecht über das Papier. Ohne den Arm aufzustützen klopfte sie in rascher Folge unausgesetzt wie eine Maschine mit dem Stift auf das Blatt. Schließlich führte ihre Hand energische Schleuderbewegungen aus und warf so scheinbar regellose Striche auf das Papier, aus denen sich nach und nach die Form der Zeichnung bildete.

Ein Skandal in Wien machte sie über Nacht berühmt: Die Polizei verbot eine Ausstellung ihrer Werke und eine öffentliche Demonstration ihres mediumistischen Zeichnens. Alle Zeitungen berichteten davon und nun war das Interesse an der Mondmalerin erst recht geweckt. Die Doyenne der Spiritisten, Baronin Adelma von Vay, sagte sich bei ihr ebenso an wie der berühmte französische Astronom und Okkultist Camille Flammarion. Der Münchener Maler Professor Gabriel von Max bemerkte über ihre Zeichnungen er habe „solch virtuose Technik bisher nicht kennen gelernt“.

Therese Vallent bereiste Europa und führte ihre Fähigkeiten vor. Nach ihrem kometenhaften Aufstieg verschwand sie bereits im Verlauf des Jahres 1901 von der Bildfläche. Wir wissen nicht was aus Therese Vallent geworden ist. Ihre Zeichnungen überdauerten die Zeit nur in den Abbildungen der Tageszeitungen und Zeitschriften. Ein einziges Original von Therese Vallent ist heute bekannt, die Mondblume „Eroses“, gezeichnet am 2. Juli 1899.