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Madge Gill (1882-1961)

  • Ohne Titel. Tusche auf Papier, 15. Januar 1942
  • Ohne Titel. Tusche auf Papier, 30. August 1942
  • Ohne Titel. Tusche auf Papier, September 1942
  • Ohne Titel. Tusche auf Papier, um 1942 a
  • Ohne Titel. Tusche auf Papier, um 1942

Alle Bilder: © Elmar R. Gruber

Small Madge bio GillIm Alter von 37 Jahren, im März 1919, erlebte Madge Gill ihre Berufung als mediumistische Künstlerin. Sie war auf dem linken Auge erblindet und nach der Todgeburt einer Tochter in eine postnatale Depression gestürzt. Einer ihrer drei Söhne war im Jahr zuvor verstorben. Um ihr Leid zu lindern versuchte sie auf spiritistischem Weg, Kontakt mit ihren verstorbenen Kindern aufzunehmen. Das Ergebnis war ein ungehemmter Ausbruch schöpferischer Gestaltungskraft. Ihre über Jahre mit grenzenloser Einfallskraft produzierten Werke zählen zu den bedeutendsten Beispielen mediumistischen Schaffens und faszinieren nicht nur die Kunstwelt bis heute.

Madge Gill wurde als Maude Ethel Eades 1882 in London geboren. Da sie ein uneheliches Kind war, wurde sie ausgestoßen, in ein Waisenhaus gesteckt, und anschließend als Magd auf eine Farm nach Kanada gebracht. 1903 kehrte sie nach London zurück und arbeitete als Krankenschwester. Bei ihrer Tante kam sie mit dem Spiritismus in Kontakt. Als sie in ihre schwere Lebenskrise geriet begann sie nachts, in der Dunkelheit, geführt von einer jenseitigen Wesenheit, die sich „Myrninerst“ nannte, automatisch zu stricken, zu singen, zu schreiben und zu zeichnen.

Mit billiger Tusche zeichnete sie auf Stoffbahnen, Papierrollen, Postkarten. Es sind dicht gedrängte Szenen, energiegeladene geometrische Muster, in die der Blick des Betrachters unweigerlich hineingezogen wird in eine irreale Szenerie, ohne Tiefe, ohne Halt, in einen Strudel aus Kreisen, schachbrettartigen Mustern und Kreuzschraffuren, die Treppen, Gänge, Kolonnaden sein können oder auch nicht. Und meist taucht aus einer Lücke in dem randvoll überladenen Blatt ein weibliches Gesicht auf – mit großen Augen und kleiner Nase, ausladendem Hut und der Andeutung einer großen Robe. Es wird zum Markenzeichen der Arbeiten von Madge Gill.

Noch zu Lebzeiten werden ihre Bilder ausgestellt, den Verkauf allerdings untersagt sie, denn die Arbeiten gehören ihr nicht sondern sind das Eigentum von „Myrninerest“. Heute sind ihre Werke in vielen bedeutenden Sammlungen und Museen vertreten, einschließlich des Museum of Modern Art in New York.