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Heinrich Nüsslein (1879-1947)

  • Die reingeistige Welt. Öl auf Karon, 1943
  • Marslandschaft. Öl auf Karon, 1943
  • Sados. Öl auf Karton, 1943

Alle Bilder: © Elmar R. Gruber

Heinrich NüssleiinHeinrich Nüsslein aus Nürnberg zählt zu den bekanntesten mediumistischen Künstlern. Aus einfachen Verhältnissen stammend musste er den Besuch der Kunstgewerbeschule Nürnberg aus finanziellen und aufgrund seiner stark eingeschränkten Sehfähigkeit abbrechen. Er arbeitete eine Zeit lang als Fotograf und Handelsvertreter für die Kunstanstalt Dr. Trenkler & Co. In Leipzig. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg begann er eine sehr erfolgreiche Karriere als Antiquitätenhändler in Nürnberg. Nüsslein brachte es zu einem beträchtlichen Vermögen, das er in repräsentative Anwesen, wie das Schloss Kornburg bei Nürnberg investierte. Nach der Teilnahme an spiritistischen Sitzungen 1923 entdeckte er seine Fähigkeiten unwillkürlich automatisch zu schreiben und zu zeichnen. Bald entwickelte er eine spezielle Technik, Ölfarben in dünnen Lasuren mit großen Pinseln aufzutragen um anschließend aus den feuchten Farbschichten mit einem Lappen und vor allem mit seinen Fingern in einer gestischen Malweise die Motive herauszuarbeiten. In kürzester Zeit, meist nicht länger als 15 Minuten, war ein Bild fertig. Er malte meist in einem stark abgedunkelten Raum, wenn die Farben auf der Palette kaum mehr zu unterscheiden waren. So entstanden tausende außergewöhnlich eindrucksvoller und sehr eigenständiger Bilder: Landschaften von fremden Planten, von unbekannten und versunkenen Völkern, Portraits von „Wesenheiten“, fantastische Bauwerke einer persönlichen Mythologie oder so genannte „Kontaktbilder“, wobei er das Wesen eines gehörten Musikstücks in eine vibrierende Bildsprache überführte.

Nüsslein verstand sich als „Bilderschreiber“, und meinte, dass seine Hand von verstorbenen Künstlern wie Albrecht Dürer geführt würde. Die fantastischen Bauwerke auf seinen Bildern erinnern an Bühnenbilder. Exotische oder aus verschiedenen Stilen zusammengefügte architektonische Elemente scheinen in einem unbestimmten Raum zu schweben, der flächig aber auch gleichzeitig von unermesslicher Tiefe erscheint. Chiffrenartig bevölkern Gruppenansammlungen von Figuren wie aufbrandende Wogen den Vordergrund.

Sein Schloss Kornburg diente Nüsslein als permanente Ausstellung seiner Arbeiten. Heinrich Nüsslein hegte Sympathien für den Nationalsozialismus, seine Arbeiten allerdings galten den Machthabern seit 1936 als „entartete Kunst“. Seine Besitztümer wurden beschlagnahmt, indes entgingen seine Werke auf heute nicht mehr aufzuklärende Weise der völligen Vernichtung. Ab 1937 zog sich Nüsslein in sein Landhaus in Ruhpolding in Bayern zurück, das ihm geblieben war, wo er 1947 verstarb. Heinrich Nüsslein verfasste selbst mehrere Schriften und Bücher zu seiner Kunst und es erschienen zahlreiche Artikel über ihn. Ausstellungen im In- und Ausland machten ihn schon Ende den 1920er Jahre weit über die Grenzen Deutschlands bekannt.

Nadine Müller legte die wichtigste Arbeit über Nüssleins Werk in einer Magisterarbeit vor (Mediale Malerei: Zum Werk von Heinrich Nüsslein. Düsseldorf, 2003.)