1. Skip to Menu
  2. Skip to Content
  3. Skip to Footer


Die Prophezeiung des Malachias

mal001
Seit dem Mittelalter machten in Europa die so genannten Päpsteweissagungen die Runde. Eine Grundlage dafür schuf Abt Joachim von Fiore (1130-1202) aus Kalabrien, der für seine unmittelbare Zukunft das Hereinbrechen der Endzeit und die Öffnung des siebenten apokalyptischen Siegels erwartete, worauf sich auf Erden die Herrschaft der spirituellen Intelligenz (intelligentia spiritualis) etablieren würde.

In den Gruppen der Spiritualen und Fratizellen, die aus dem Franziskanerorden hervorgegangen waren, fanden sich die eifrigsten Anhänger Joachims. Sie huldigten einem apokalyptischen Mystizismus und dem Armutsideal, verdammten das Papsttum, in dem sie den Antichrist zu erkennen meinten. Es gab aber auch eine Idealvorstellung von einem Papst, der die ursprüngliche Reinheit der Kirche wiederherstellen werde. Dieser sei der Engelpapst (pastor angelicus). Unter den Anhängern Joachims und der Spiritualen galt Gregor X. (1271-1276) als Verkörperung des Engelpapstes. Prophezeiungen begleiten die Kulturen des Erdkreises von alters her. 

Joachimitische Prophezeiungen und die Weissagung vom Engelpapst wurden zur Triebfeder der Prophetie im späten Mittelalter und in der Renaissance. Sie prägten die prophetische Tradition für Jahrhunderte. Es begann eine Art Wettlauf der Weissagungen, die für jeweilige religiöse und politische Ziele missbraucht wurden. Nicht selten wurden dabei hoch geachteten Geistern Prophezeiungen unterschoben, um ihnen weite Anerkennung zu sichern. Die Spiritualen der Franziskaner bemächtigten sich der Schriften Joachims, ergänzten und aktualisierten sie. Später wurden Joachim Weissagungen über das Schicksal von Päpsten unterschoben, die Vaticinia de summis pontificibus, die sowohl von der Reformation, als auch von der Gegenreformation ausgeschlachtet wurden. In Wahrheit gehen diese Prophezeiungen auf griechische Orakel zurück, die erstmals für 1304 nachweisbar sind. In der Päpsteweissagung werden Bilder von Päpsten eingebettet in allegorische Szenen oder mit symbolischen Gegenständen gezeigt. Die Bilder sind mit einer Devise und einem Orakeltext, in einer dunklen, schwer zugänglichen Sprache versehen, die zu vielfachen Fehlern und bewussten Änderungen bei den Kopisten der Manuskripte Anlass gab.

Eine andere Variante der Päpsteweissagung hat bis in unsere Gegenwart große Bekanntheit erlangt. Zugeschrieben wurde sie dem heiligen Malachias von Armagh (1095-1148), dem Metropoliten Irlands, entstand aber in Wahrheit erst Ende des 16. Jahrhunderts. Sie stammt wohl entweder aus der Feder von Arnold Wion (in dessen Werk Lignum vitae sie 1595 zum ersten Mal im Druck erschien) oder von Philipp Neri. Sie besteht aus 111 kurzen Sinnsprüche über die Päpste von Cölestin II. (1143-1144) bis zum Weltende.

Die Faszination dieser Weissagung bis in unsere Tage hat mit dem Umstand zu tun, dass der vorletzte Pontifex in der Reihe der aufgeführten Päpste, charakterisiert durch die Devise „Ruhm des Ölbaums“ (gloria olivae), Benedikt XVI. (2005-2013) entsprechen würde. Somit wäre der gegenwärtige Papst Franziskus (seit 2013) nach der Malachias-Weissagung der „Endzeitpapst“, der letzte in der Aufzählung, von dem es heißt: "Er wird während der letzten Verfolgung der Heiligen Römischen Kirche regieren (In persecutione extrema S[ancta] R[omana] E[cclesia] sedebit)."

Zu diesem abschließenden Sinnspruch gehört noch ein Zusatz, der wahrscheinlich dem Manuskript von jemand anderem eingefügt, der aber ebenfalls im Lignum vitae abgedruckt wurde: "Petrus aus Rom wird die Schafe unter vielen Bedrängnissen weiden. Dann wird die Siebenhügelstadt zerstört werden und der furchtbare Richter wird sein Volk richten. Ende. (Petrus Romanus, qui pascet oves in multis tribulationibus, quibus transactis civitas septicollis diruetur, & judex tremendus judicabit populum suum. Finis)."

In meinem Buch über den Propheten Nostradamus habe ich den Einfluss solcher prophetischer Vorstellungen auf die geistesgeschichtlichen Entwicklungen im Abendland ausführlich beschrieben. Ich habe mich aber auch schon vor Jahren künstlerisch mit dem Thema des Endzeitpapstes auseinandergesetzt. 


Eine Frucht dieser Arbeit war eine Federzeichnung, die als Zinkätzung in limitierter Auflage von 80 Exemplaren von der Edition Visionäre Kunst herausgebracht wurde. Gedruckt auf Hahnemühlen-Bütten, ist jedes Blatt ein Unikat, weil es von mir in unterschiedlicher Weise handkoloriert wurde. Wenige dieser nummerierten und signierten Blätter (Blattgröße 29 x 53 cm, Bildgröße 24 x 30 cm) sind noch erhältlich. € 180,00 einschl. Versandkosten. Auf Wunsch kann das Blatt mit einer persönlichen Widmung versehen werden.
 

Bild bestellen

Beispiele von erhältlichen Blättern:

malz01   malz02   malz03
 Nr. 17    Nr. 18    Nr. 20