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Eingebungen vom Weisen Rat der Unsichtbaren


Zu den Bildern von Victor Emanuel Bickel

 

 

VEB Portrait 02Maler werden, das wollte Victor Emanuel Bickel schon immer. Als kleiner Junge zeichnete und malte er für sein Leben gern. Aber die Eltern waren dagegen. Im April 2018 hat er seinen 90. Geburtstag gefeiert und er zeichnet immer noch. Federleichte Bilder seiner Visionen von anderen Welten.

1928 in einer Augsburger Familie geboren, überschatten zwei Ereignisse in seiner Kindheit sein Leben. Im Alter von fünf Jahren sitzt er auf der Lenkstange des Fahrrads, das ein älterer Freund viel zu schnell fährt. Sie prallen gegen eine Hauswand. Victor Emanuel erleidet eine schwere Gehirnerschütterung. Aus der Bewusstlosigkeit erwacht, weiß er nicht, ob er lebt oder tot ist. Seitdem hat er immer wieder spontan veränderte Bewusstseinszustände erlebt, in denen er das Gefühl hat, sich in einer vollkommen fremden Welt zu befinden. Im Scherz sagte er später seinen Freunden: „Ich komme nicht von dieser Welt, sondern von einem anderen Planeten.“

Mit elf Jahren erschüttert ihn der Tod seiner geliebten, hoch begabten älteren Schwester zutiefst. Dieses Ereignis hat Victor Emanuel Bickel nachhaltig geprägt. Dennoch erhält er sich zeitlebens seine Fröhlichkeit. Musik hatte in der Familie eine große Tradition. Der junge Victor Emanuel wendet sich erst der Geige, dann der Bratsche zu. Er wird Musiker.

Nach dem Krieg besucht er die Münchener Musikhochschule und erhält sofort ein Engagement als Bratschist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und wird in drei kammermusikalischen Vereinigungen aktiv.

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Victor Emanuel Bickel, Bleistift und Buntstift auf Papier, 1970

Das Zeichnen und Malen hat er indes nie vernachlässigt. Er betreibt es nebenher autodidaktisch. Die merkwürdigen veränderten Bewusstseinszustände und seine ungewöhnlich intensiven Träume, in denen ferne Welten, untergegangene und unbekannte Zivilisationen eine Rolle spielen, münden in eine Phase der gründlichen Auseinandersetzung mit der geistigen Überlieferung alter Kulturen, mit Philosophie, Mystik und Esoterik. Auch beginnt er sich intensiv mit Yoga-Praxis zu beschäftigen. Beim Yoga lernt er seine zukünftige Frau Adelamarie kennen, die seine Interessen teilt und die bis heute die kongeniale Begleiterin an seiner Seite ist.

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Victor Emanuel Bickel, Bleistift auf Papier, 1970

Durch die philosophischen und esoterischen Studien ändert sich der Stil seiner Zeichnungen und Gemälde markant. Es entstehen leichte, poetische, bisweilen spielerische Bilder in denen glückliche Bewohner ferner Welten erscheinen. Eigentümliche Architekturen mit Elementen versunkener amerikanischer und asiatischer Kulturen entfalten sich aus organischen Gewächsen, eingebettet in einer Aura von Szenerien, die an Science-Fiction-Fantasien erinnern. Tore stehen für Durchgänge zu anderen Dimensionen. Alte und künftige oder außerirdische Kulturen vermischen sich zu einer utopischen Lebenswelt, in der Menschen und übermenschliche Wesen in harmonischer Verbundenheit existieren.

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Victor Emanuel Bickel, Kugelschreiber, Buntstift und Ölkreide auf Papier, 1966-68

Was bisweilen naiv und märchenhaft wirkt, sind leichte, melodisch fließende und poetische anmutende Kompositionen. Nicht nur die Gestalten scheinen sich wie Tänzer zu bewegen, die feinen Linien selbst, mit denen Victor Emanuel Bickel seine Bilder aufbaut, schimmern und oszillieren, als würden sie durch feierliche Hymnen oder Choräle in Vibration versetzt. Bickel entwickelt eine subtile Strichtechnik mit Bleistiften, Buntstiften, Kreiden, Kugelschreibern, durch die zarte, pastellfarbene aber auch farbgesättigte Werke schwerelos wirken – von schier äolischer Transparenz. Für seine fremdartigen Bilderwelten gibt er sich einen passenden Künstlernamen. Er signiert seine Werke fortan mit Faroxis, oder Seraphinus Faroxis, manchmal auch einfach mit seinem zweiten Vornamen Emanuel.

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Victor Emanuel Bickel, Bleistift und Buntstift auf Papier, 1968

Im Alter von 50 Jahren kommt seine Karriere als Musiker zu einem abrupten Ende. Bei den Proben zu einer Bruckner-Symphonie erleidet er einen schweren Hörsturz. Bickel wird frühpensioniert. Aber auch dieser Schicksalsschlag vermag ihm seine Zuversicht nicht zu rauben. Er erhält sich seine heitere Gelassenheit und widmet sich fortan ganz dem Zeichnen und der Malerei.

Seine Werke strahlen eine mystische Aura aus, aber ganz ohne jegliche Düsternis und Schwere. Nichts Bedrückendes haben sie an sich. Vielmehr vermitteln sie die Idee von der allmählichen Aufhebung der Schwerkraft. Das Gehen – ein Schweben. Jeder Schritt das Abheben zum Flug. Ins Leichte, ins Lichte hinein führt der Weg. Von strahlender Leichtigkeit erfüllt ist alles. Menschen und Geräte bewegen sich mit dem Gewicht von Gedanken. Für Victor Emanuel Bickel ist es eine Bewegung hin zu einer höheren Stufe des Menschseins, die hier offenbar werden soll. Die Evolution des Bewusstseins, das innere Werden ist das Leitmotiv seiner Werke. Die Sehnsucht nach einer geistigen Höherentwicklung des Menschen. Deshalb sind seine Bilder für ihn nie wirklich fertig. Oft überarbeitet er sie auch noch Jahre später, schneidet ein Element aus und klebt ein neues ein oder zeichnet das gleiche Sujet immer wieder in vielen Variationen. Die in den Werken enthaltene Botschaft reift in ihm mit der Zeit.

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Victor Emanuel Bickel, Kugelschreiber, Buntstift und Ölkreide auf Papier, 1968

Antworten auf diese intuitiv erfasste Evolution des menschlichen Bewusstseins und auf vieles in seinem künstlerischen Schaffen, was ihm selbst noch rätselhaft ist, finden er und seine Frau in den Schriften von „Billy“ Eduard Albert Meier (BEAM), einem UFO-Kontaktmann und Verfasser zahlreicher Bücher und Schriften. Der Weitblick über das Wesen des Universums und des Lebens, den sie enthalten ist für sie überwältigend. Sie sind endlich an ihrem inneren Ziel angekommen und entschließen sich, in die Schweiz umzuziehen, in die Nähe von Billy Eduard Albert Meier und seiner „Freien Interessengemeinschaft für Grenz- und Geisteswissenschaften und Ufologiestudien“ (FIGU).

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Victor Emanuel Bickel, Kugelschreiber, Buntstift und Ölkreide auf Papier, 1974

In der ländlichen Abgeschiedenheit zeichnet Bickel weiterhin die Eindrücke aus dem Weltraum seiner Seele. Nicht als objektiver Beobachter oder Berichterstatter, sondern als Teil der wiedergegebenen Szenerie. Als hätte er genau dort schon einmal gelebt oder würde in einem Paralleluniversum dort existieren. Er hat nicht das Gefühl, sich seine Sujets ausgesucht zu haben. Sie haben sich ihn ausgesucht, um auf Papier gebannt zu werden. Bickel lächelt verschmitzt wenn er die rhetorische Frage stellt, woher wohl alle diese Ideen kommen, die sich in seinen Bildern offenbaren. Gerne spricht er nicht über seine Kunst. Er zieht es vor, das Sprechen seinen Werken zu überlassen. Seine Frau sagt über ihn: „Victor ist grenzenlos in dem Sinn, dass er irgendwie in seinem Denken nicht eingeschränkt ist. Für ihn ist alles möglich.“

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Victor Emanuel Bickel, Kugelschreiber, Buntstift und Ölkreide auf Papier, 1984

Bickel schreibt auch Gedichte und in diesen finden sich Hinweise darauf, wie die Bildwelten zu ihm kommen und wie er ihnen Ausdruck verleiht. Darin spricht von „den geheimnisvollen Schauungen“, denen er sich hingibt, vom „rätselhaft versunkenen Tempel“, der zutiefst im „inneren Meeresgrund des Nachtbewusstseins ruht“. Durch diese Schauungen könne man den Erfahrungsreichtum „ungezählter Inkarnationen“ erwecken. Bilder empfängt er „vom Weisen Rat der Unsichtbaren“. So werden für ihn allmählich seine Ahnungen von den Wurzeln der Menschheit und der Wirklichkeit anderer Welten zur Gewissheit. Geleitet von Engeln und Götterboten erkennt er die Sterne er als seine alte Heimat. Einmal beschreibt er eine visionäre Reise in apokalyptischen Bildern, aus denen sich am Ende eine „Todesgöttin“ in eine liebevolle Göttin der neuen goldenen Zeit verwandelt.

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Victor Emanuel Bickel, Bleistift und Buntstift auf Papier, 1967

In einem Gedicht schreibt er, dass er „den wilden Geist“ ablegen will, der uns an die äußere Welt bindet, damit die „zeitlos engelhafte Seele“ leuchten kann. Wie William Blake hofft er damit, verschont zu bleiben von der Täuschungskraft des physischen Auges und jene mystischen Einsicht in das wahre Wesen der Dinge zu erlangen, wenn die menschliche Vorstellungskraft nicht mehr durch die Sinne beschränkt ist.