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Botschaften aus dem Hyperraum der Psyche

Die Bilderwelten von Alexandro García

 

AG 02Alexandro Nelson García wurde 1970 in Montevideo, Uruguay, geboren. Gezeichnet hat er schon als kleiner Junge gerne. Vor allem das, was er in seinen Träumen sah: lichtdurchflutende futuristische Städte und betörende unirdische Landschaften. Er wusste nicht, was sie zu bedeuten hatten, aber er versuchte, seine Träume in Zeichnungen festzuhalten. Im Alter von neun Jahren sah er zum ersten Mal ein UFO und als er 14 wurde, begann er die merkwürdigen Begegnungen mit Bewohnern anderer Welten ernst zu nehmen. Zu häufig traten nun Klarträume auf, in denen er außerkörperliche Erfahrungen hatte und Reisen zu extraterrestrischen Zivilisationen unternahm. Zu oft erlebte er Sichtungen von UFOs und merkwürdigen Lichterscheinungen. Von nun an war er überzeugt, von Außerirdischen geführt und angeleitet zu sein.

Zunehmend verstärkte sich der Drang, die auf seinen Astralreisen gesehenen Welten auf Papier festzuhalten. Obwohl er nicht wusste, wie er den fantastischen Eindrücken angemessenen Ausdruck verleihen könnte, gelang es ihm immer ohne Anstrengung. Wenn er sich hinsetzt, um zu zeichnen, tritt Alexandro García sofort, wie er es selbst beschreibt, in eine andere Frequenz oder Dimension ein und ist sich dessen nicht bewusst, was er erschafft. Die Außenwelt versinkt, während er in gemächlichem Rhythmus automatisch Linie um Linie zieht. Er kopiert nicht Bilder der Vorstellung oder Visionen. Die Zeichnungen entstehen ganz ohne Plan und Entwurf. Es ist, wie wenn die Arbeiten vor seinem Auge gleichsam geboren würden. Alexandro García lässt sich von seinen eigenen Kreationen mitreißen. Eine transpersonale Intelligenz scheint den Stift zu führen. Was er zu Papier bringt, ist die Übersetzung des inneren Prozesses seines Austausches mit anderen Dimensionen in ein dichtes Geflecht von Zeichen und Symbolen in fluktuierenden Bedeutungsebenen. Manchmal hat er selbst das Gefühl, in einer Zeichnung zu leben, aus ihr in verwandelter Form herauszutreten, als sei das, was auf dem Papier vor ihm entsteht, schon immer in seiner DNA aufgezeichnet gewesen.

Im Alter von 35 wurde er in einer Astralreise im Traum auf ein Raumschiff projiziert und mit diesem auf eine Unterwasserbasis in die Antarktis gebracht. Dort fand er sich alleine in einem Raum wieder, durch dessen große Glasscheiben er ringsum in den Ozean blicken konnte. Drei Wesen erschienen, die ihm ein Hologramm unserer Galaxis zeigten. Sie belehrten ihn auf telepathischem Weg und gaben ihm seinen kosmischen Namen: Amkhum.

Oft arbeitet Alexandro García viele Stunden an einem Blatt ohne sich von seinem Tisch fortzubewegen. Er entwickelt in seiner Kunst eine persönliche Symbolsprache aus einem faszinierenden Arrangement kleinster graphischer Einheiten. Aus einfachen Elementen – geraden Linien, Dreiecken, Kreisen, Ellipsen, Wellen, die bisweilen zu Röhren, Türmen, Freitreppen oder Pyramiden gerinnen als Reminiszenzen an versunkene Kulturen unserer Erde – entstehen Labyrinth-Städte, die in den Astrosphären zu schweben scheinen.

AG colores 2017

Alexandro García, Die Farben deiner DNA in deinem Reich, 2017

Alexandro Garcías Bilder beeindrucken durch einen vibrierenden, federleichten Strich. Es sind akkurat mit Lineal und Schablonen gesetzte Linien, die winzige Figuren und Formen von einer wunderbar farbenfrohen lichten Schwerelosigkeit bilden. Alles scheint permanent im Fluss zu sein. Nichts hat eine statische Erscheinungsweise, als gebe es nur das komplexe Zusammenspiel von Ursachen und Bedingungen, nicht aber unverrückbare materielle Formen. Ein unaufhörlicher Prozess ohne Anfang, ohne Ende, ohne Mittelpunkt, ohne Peripherie. Man wird in einen Strudel gezogen, in einen bodenlosen glitzernden Irrgarten entführt. Wie es im All kein Oben und kein Unten gibt, ist nirgends ein fester Grund auf dem man stehen könnte. Alles scheint aus kaleidoskopartig sich ineinander verschiebenden Kulissen, aus einem Wirbel von Zeichen und Symbolen zu bestehen. Welten und Ebenen durchdringen sich, auch Bedeutungsebenen. Das Auge sucht nach einem Halt in der Überfülle der Bildelemente und wird doch selbst zu einem Raumwanderer, von einem temporären Zentrum zu einem anderen schwebend. Wechselnde Maßstäbe und Perspektiven erlauben einen immer wieder überraschenden Blick in eine sich entfaltende Parallelwelt, in der Formen aus einer immateriellen Substanz auftauchen – Gebäude und Regionen aus Licht. Sie breiten sich in filigranen Geflechten aus, die sich in eruptiven Farbkaskaden stets von neuem selbst zu organisieren scheinen. Dennoch wirkt nichts willkürlich auf das Blatt hingeworfen. Die Zeichnungen folgen in ihrer sorgfältig strukturierten Komposition einer bemerkenswerten inneren Ordnung.

Seine erste physische Begegnung mit den extraterrestrischen Wesen hatte Alexandro García im August 2009 am Strand von Punta Colorada bei Maldonado in Uruguay. Mit einer großen Gruppe von Gleichgesinnten erlebte er dort die Öffnung eines interdimensionalen Portals, einer Lichtschwelle zu einer anderen Dimension. Man kann es als eine Nahbegegnung der dritten Art oder als besonderes Lichtphänomen beschreiben. Der Peruaner Sixto Paz Wells hat solche Erfahrungen beschrieben, seit er in den 1970er Jahren seinen ersten Kontakt mit extraterrestrischen Wesenheiten hatte, die sich als Angehörige der „Weißen Bruderschaft der Erde und der Sterne“ vom Jupitermond Ganymed, den sie selbst Morlen nennen, zu erkennen gegeben hatten.

AG maestros 2017

Alexandro García, Die Meister des kosmischen Bewusstseins, 2017

Am Abend am Strand öffnete sich eine besondere Art eines interdimensionalen Tores, eine Xendra Gimbra. Die Anwesenden traten über die Schwelle in die Lichtkuppel und ein jeder erlebte entsprechend seiner Bewusstseinsstufe und seiner mentalen und spirituellen Vorbereitung einen individuellen Kontakt mit extraterrestrischen intelligenten Wesen. Alexandro García wurde von der Lichtkuppel eingeschlossen und plötzlich standen unbekannte Gestalten direkt vor ihm. Eines dieser Wesen von menschlicher Form in der Erscheinung eines Hologramms gab sich als Abgesandter der Großen Konföderation der Welten der Galaxie aus Morlen zu erkennen. Auf telepathischem Weg sprach das Wesen mit ihm und gab ihm zu verstehen, dass die Kristallstadt auf Morlen auch Alexandros eigentlicher Herkunftsort sei. Seine Aufgabe sei es, mit den Mitteln der Kunst am Erwachen der Menschheit auf dem Planeten Erde zu einem höheren Bewusstsein zu arbeiten. Mit einem zärtlichen Blick in seinen Augen wie ein älterer Bruder pflanzte das Wesen eine golden leuchtende Lichtkugel in seine Brust und verschwand vor seinen Augen.

Drei Monate nach diesem Erlebnis, erreichte ihn ein Anruf von Pablo Thiago Rocca, dem Direktor des Figari Museums in Montevideo, der ein Projekt über Außenseiterkunst in Uruguay leitete und ein Buch darüber verfasst hatte. 1 In diesem Buch stellte er auch die Arbeiten von Alexandro García vor. Rocca berichtete Alexandro über das Interesse des bedeutenden Pariser Galeristen Christian Berst an seiner Kunst. Im Jahr darauf hatte er seine erste große Einzelausstellung in der Galerie Christan Berst. Es folgten weitere Ausstellungen in Europa und in Südamerika.

Alexandro García hat nie eine künstlerische Ausbildung erhalten. Eine Zeit lang arbeitete er als Gärtner in seiner Heimatstadt Montevideo. Jetzt lebt er in Bogotá in Kolumbien, wo er eine Auto- und Lastwagenwerkstatt leitet. In seiner Freizeit unterrichtet er ehrenamtlich Kunst für besonders arme und benachteiligte Kinder im Colegio la Estancia San Isidro Labrador. Er betrachtet diese Arbeit als Teil seiner Mission, das Bewusstsein der Menschen durch Kunst voranzubringen.

AG sistemas solares 2017

Alexandro García, Trinäre Sonnensysteme, 2017

Alles, was in seinen Werken entsteht, nennt Alexandro García gerne in Anlehnung an den bekannten Buchtitel von Erich von Däniken, Erinnerungen an die Zukunft. Er ist überzeugt davon, dass in den Formen, den Zeichen und den Farben seiner Zeichnungen ein Code verborgen ist, der einen Wandlungsprozess anstoßen kann. Alexandro verkörpert wovon der spricht. Stets strahlt er Glück und heitere Gelassenheit aus. Man ist versucht, an den Aphorismus von Michel de Montaigne zu denken: „Das deutlichste Anzeichen von Weisheit ist anhaltend gute Laune.“

Einige Bilder schabt Alexandro García in seinen gewohnt feinen und sorgfältigen Linien aus einer schwarzen Acrylschicht über farbige Wachskreiden heraus. Die das Blatt füllenden, blüten- und sternartig explodierenden geometrischen Körper erinnern an frühneuzeitliche Illustrationen über Kosmologie, Astronomie und Alchemie. Es sind ferne Anklänge an Einblattdrucke von Prophezeiungen, Himmelszeichen und kosmischen Katastrophen.

AG contacto vida 014

Alexandro García, Kontakte von einem Leben zum nächsten, 2014

In manchen Arbeiten stellt er einzelne Abbildungen in kleine Rechtecke wie Bildstreifen in einem Comicstrip zusammen. Es sind aber keine Ereignisse, die eine fortlaufende Geschichte erzählen, sondern virtuos ausgeschmückte Variationen über ein großes Thema. Und dennoch sind sie auf rätselhafte Weise miteinander verbunden, sodass eine ästhetische Ganzheit von geradezu musikalischer und poetischer Qualität entsteht. Und wenn eine Arbeit in erhabenem Gestus daherkommt, so wirkt einem Erstarren in glanzlosem Pathos immer ein spielerisches Element entgegen, das alle Ergriffenheit in wunderbare Leichtigkeit auflöst.

Natürlich eröffnen die polysemen Bilderwelten von Alexandro García mit ihren unverkennbar mythologischen Charakterzügen ein weites Feld für Interpretationen aus unterschiedlichen Perspektiven, weil sie auf vielen verschiedenen Ebenen lesbar sind. Das hängt auch mit dem Umstand zusammen, dass die mannigfachen Erscheinungsweisen der UFOs im Bewusstsein der Wahrnehmenden als von einer anderen Dimension kommend erlebt werden, die sich von der unseren vollkommen unterscheidet, aber in einer rätselhaften und erschütternden Weise eng mit unser Psyche verbunden sind. C. G. Jung brachte die UFO-Begegnungen mit der psychologischen Struktur des religiösen Erlebnisses in Verbindung, jenem „ganzmachenden, heilenden, rettenden, allesumfassenden Erlebnis“, in dem „der Mensch einem seelisch übermächtigen Anderen“2 begegnet.

Alexandro Garcías Bilder sind vielleicht ein deutlicher Ausdruck für das, was Terrence McKenna einen „hyperdimensionalen Trichter“ nannte. Er beschrieb damit die vergleichbaren inneren Erfahrungen von UFO-Begegnungen und Erfahrungen unter dem Einfluss der psychotropen Substanz DMT (Dimethyltryptamin) als eine „Halluzination von extrem realistischen und absolut bizarren Proportionen“. McKenna spricht von „einer hyperdimensionalen, interstellaren, extraterrestrischen, Science-Fiction Qualität; einem komplexen Raum, angefüllt mit hochglanzpolierten gekrümmten Oberflächen, Maschinen, die geometrischen Transformationen zu Wesenheiten unterworfen sind, und Gedanken, die sich als sichtbare Objekte verdichten.“3 Gleichzeitig wundert sich McKenna, dass sich so wenig davon in Geschichte und Kunst widerspiegelt.

AG hombres pajaros 2017

Alexandro García, Die Rückkehr der Vogelmenschen nach Merla, 2017

In der Kunst von Alexandro García hätte er genau das gefunden. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist seine Zeichnung „Die Rückkehr der Vogelmenschen nach Merla“. Vogelartige Wesen, die Transportschiffe sein können oder die Vogelmenschen selbst, sind aus verschiedenen geometrischen Strukturen gebildet: aus Pyramiden, Türmen, Spiralen, Herzen – aus scheinbar festen Substanzen und aus Chiffren. Nur durch das harmonische Zusammenspiel dieser disparaten Elemente, treten die Vogelmenschen selbst in Erscheinung. Sie haben keine eigene Substanz, sind nur Manifestationen eines Netzwerks kosmischer Energien, das ephemere Wirklichkeiten schafft. Und wenn man sie aufmerksam betrachtet, lösen sie sich wieder auf, werden selbst zu einem sinnstiftenden Gewebe für ganz andere Bilder und Botschaften, die unter einem Vorhang von vibrierenden Energiekaskaden sichtbar werden. Vier Vogelwesen verwandeln sich so zu zwei Augenpaaren von großen maskenhaften Gesichtern in Frontalansicht, die den Betrachter direkt anschauen als hätten sie eine dringende Frage zu stellen. FlammarionDie Münder sind aus primitiven Barken gebildet, die durch einen oszillierenden Wald von sorgsam aneinander gereihten, steil aufragenden konischen Gebilden gleiten. Der kosmische Sehnsuchtsort indes ist näher als es den Anschein hat. Merla lautet nämlich auf Morlen der Name unseres Planeten Erde. Dargestellt ist also der Planet Erde in einer zukünftigen, vielleicht auch in einer längst vergangenen Epoche.

Unwillkürlich wird man bei den Arbeiten von Alexandro García an den berühmten Holzstich aus Flammarions L’atmosphère von 1888 erinnert. Diese einem Renaissance-Holzschnitt nachempfundene Illustration zeigt einen Mann, der durch die herkömmliche Erscheinungsform der Welt in das geheimnisvolle Räderwerk der Sphären des Universums blickt.

Es ist, als ob auch Alexandro García einen Blick in die Unermesslichkeit getan hat und in seinen Werken ein Fenster in diese Reiche aufstößt. Als Betrachter wird man auf eine grenzenlose Reise durch den Hyperraum der Seele mitgenommen, als würde man selbst durch diese fremde, schaurig-schöne schattenlose Welt aus Licht reisen.




1 Pablo Thiago Rocca. Otro Arte en Uruguay. Montevideo: Linardi y Risso, 2009.

2 C. G. Jung. Ein moderner Mythus. Von Dingen, die am Himmel gesehen werden. Zürich: Rascher, Zürich, 1958, S. 40.

3 Terrence McKenna. The Archaic Revival. San Francsico: Harper, 1991, S. 62.